Aussteiger aus Leidenschaft

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Penner unter Palmen –

wie mich Liebeskummer auf die Straße trieb

 

Unter den Palmen Cagliaris

Unter den Palmen Cagliaris

 

 

Das Scheitern seiner Ehe machte ihn zum Obdachlosen. Die Straße sollte sein letzter Ausweg werden, um ALLES zu vergessen.

Der Hintergrund einer Entscheidung, die im Verzicht Befreiung sucht:

Sven Winkler (32), gelernter Maler und Lackierer aus Wernberg-Köblitz (60km von Regensburg), entschied im August letzten Jahres alles stehen und liegen zu lassen. Nachdem seine Frau Bianca (26), Heilpflegerin, Schluss machte.

Nach 8 gemeinsamen Jahren das AUS. Ein anhaltender Schockzustand – Bianca will ihn mit den gemeinsamen Kindern, Vivien (4) und Vanessa (5) verlassen, es gibt für sie kein Zurück mehr.

Auch das Betteln will gelernt sein

Auch das Betteln will gelernt sein

„Während sie mich mit den Kindern verließ, entschied ich mich, auch noch den Rest meines Lebens zu verlassen“, erklärt Sven seine damaligen Gedanken.

 

Er kommt ihr zuvor. Noch bevor sie auszieht, packt er seinen Rucksack mit den allernötigsten Dingen, seinen Ersparnissen (ca. 900€) und einem kleinen Foto von Frau und Kindern. Kündigt seinen Job als Schlosserhelfer und ist RAUS.

 

„Ich wollte immer schon nach Korsika, also schlug ich mich dahin durch!“

Zuerst mit dem Zug nach Savona (Italien), von dort nimmt er die Fähre auf die französische Mittelmeerinsel.

 

Der Kontakt bricht schlagartig ab. Eine absolute Qual, nicht anzurufen. Aber er will es so.

"Die Carabinieri sind viel cooler als unsere Bullen"

"Die Carabinieri sind viel cooler als unsere Bullen"

 

Keine Hoffnung – für Sven gab es nur diese eine mögliche Konsequenz:

In der gemeinsamen 3 – Zimmerwohnung sah er keine Zukunft mehr. Überall hafteten Erinnerungen. Diese brannten sich wie Tätowierungen in seine Seele. Wie weitermachen? Wie mit diesem Schicksal umgehen? Er fand nur eine Antwort: einfach WEG! Wie Freunde herausfinden, kündigt Bianca die gemeinsame Wohnung, lebt heute in Dänemark.

Nachtlager vor einem Schaufenster

Nachtlager vor einem Schaufenster

„Ich fühlte mich einfach überfordert und allein gelassen und plötzlich fand ich mich auf der Straße wieder, das geschah ganz leise und unterbewusst“, berichtet Sven heute gefasst.

 

Auf Korsika trifft Sven auf den Obdachlosen Bernhard Fischer (43) aus Stuttgart, welcher seit fast 9 Jahren auf der Straße lebt, die Regeln kennt. Er rät weiter nach Süden zu ziehen, um den Winter besser zu überstehen. Sie werden Freunde, verbringen Weihnachten in Cagliari auf Sardinien.  Die neue Familie.

Sven und Bernhard auf der Via Roma

Sven und Bernhard auf der Via Roma

 

„Natürlich ist es eine krasse Umstellung, ein Verzicht auf ein geregeltes Einkommen, Hygiene und sozialen Status, aber ich war gezwungen, ein neues Leben zu beginnen!“


Und, hilft das Selbstexil? „Zumindest kann ich meine Wut und meine Enttäuschung verarbeiten. Aber wenn man liebt, vergisst man NIE.“ Wie soll es weiter gehen? „Keine Ahnung, auf der Straße ist alles offen….“

 

 

 

 

"Zwischen Haus und Straße ist nicht viel Puffer"

"Zwischen Haus und Straße ist nicht viel Puffer"

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